"Gute Nachricht für die Reedereien, schlechte für das Klima: Ab Ende des Jahrhunderts dürfte der Nordpol per Schiff erreichbar sein. Bis dahin wird nämlich die Eiskappe in den Sommermonaten völlig verschwinden" Dies sagte der Polarforscher Peter Wadhams von der Cambridge University (Großbritannien) bei der Generalversammlung der European Geosciences Union
Wadham und seine Mitarbeiter sammeln Daten, die unter anderem von Echolotmessungen von bemannten und - neuerdings auch - unbemannten U-Booten, Bohrkern-Analysen und Satelliten stammen. Die Ergebnisse sind alarmierend: in den vergangenen 20 Jahren hat sich die Dicke der Polkappe um 40 Prozent verringert. Die Abnahme der Eisfläche nimmt sich dagegen noch harmlos aus, etwa drei Prozent in zehn Jahren.
Die Modellrechnungen der Ozeanographen haben auch ergeben, dass es durch die Veränderungen der Eisschilde in der nördlichen Hemisphäre tatsächlich - wie im Film "The Day after Tomorrow" dramatisch dargestellt - zu einem Abreißen des Golfstroms kommen könnte. Allerdings wird sich dieser Vorgang sehr langsam über Jahrzehnte erstrecken und nicht, wie im Film, von heute auf morgen.
Entwarnung gibt der Geophysiker allerdings für Küstenregionen: Das Abschmelzen der nördlichen Polkappe wird kaum zu einem Anstieg des Meeresspiegels führen. Es ist vielmehr so, wie wenn in einem Cocktail die Eiswürfel schmelzen. Das Volumen wird nicht mehr. Das könnte nur passieren, wenn Inlandeis, etwa die Gletscher des Südpols, in noch größeren Mengen abschmelzen.
Dass das dramatische Verschwinden des Nordpolareises durch den Menschen verursacht wird, steht für viele Wissenschaftler weitgehend außer Frage. So berichtete Huygues Goosse von der Universite cathololique de Louvain (Belgien) über Jahrhunderte und Jahrtausende erfassende Berechnungen der Temperaturen sowohl der nördlichen als auch der südlichen Hemisphäre.
"Schwankungen hat es im Laufe der vergangenen 1.000 Jahre immer gegeben, aber der dramatische Anstieg vor allem der vergangenen 100 Jahre ist einzigartig", sagte der Wissenschaftler. So ist die Temperaturen in der Arktis von 1900 bis heute um etwa zwei Grad angestiegen
Dass sich die Situation auf der Südhalbkugel bisher weniger dramatisch darstellt, führt Goosse auf die Pufferwirkung der großen Ozeane zurück. Aber er ist überzeugt: "Mit einer Zeitverschiebung wird es auch hier dramatisch wärmer werden".