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Bad Vöslau Die offizielle Website der Stadtgemeinde Bad Vöslau

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Das rätselhafte Vorkommen der Blumen-Esche im Gradental

Die für die Botaniker sensationelle Entdeckung der Blumen-Esche im Gradental bei Bad Vöslau im Jahre 1957 durch A. Neumann war schon fast in Vergessenheit geraten. - Nun ist man bemüht das besondere Vorkommen dieser Art in vielfältiger Hinsicht zu erforschen.
 

Die Blumen-Esche (Fraxinus ornus) trägt ihren Namen zu Recht. Mitte bis Ende Mai sind die Bäume über und über mit prächtigen cremeweißen und sehr auffällig süß duftenden Blütenständen besetzt. Das natürliche Verbreitungsareal der Blumen-Esche ist auf Südeuropa und Kleinasien beschränkt (Westspanien, Balearen, Provence, Südrand der Alpen, Italien, Südungarn, Teile der Türkei und Griechenlands). Wir bezeichnen Arten, die ihren Verbreitungsschwerpunkt im nördlichen Mittelmeergebiet haben, als submediterran. In Österreich ist die Blumen-Esche in Teilen Kärntens heimisch. Im Gebiet des Leithagebirges ist sie ebenfalls anzutreffen; dort wohl nicht ursprünglich, sondern als Forstbaum eingebracht.

1957 wurde dank des verdienstvollen Botanikers A. Neumann die Blumen-Esche im Gebiet von Bad Vöslau entdeckt und beschrieben. Es erstaunte schon damals die Fachwelt, dass diese Art hier offenbar ein inselartiges und von den nächst gelegenen natürlichen Fundorten recht weit entferntes Vorkommen hat.

Blumen-Esche im Gradental

Im Rahmen meines Diplomarbeitsprojektes (betreut von Univ.-Prof. M.A. Fischer, Universität Wien) habe ich gemeinsam mit Rupert Stingl zunächst die Verbreitung der Art kartographisch erfasst: Man findet sie entlang der Forststraße durch das Gradental zwischen der Waldandacht und der Pecherhütte, im Graben sowie an den (vornehmlich südseitig gelegenen) Hängen. Verbreitungsschwerpunkte liegen im Bereich des Mariazeller Zwickels und des Mondscheinkogels.
Sodann stellten wir uns die Frage, ob die Blumen-Esche hier in Bad Vöslau tatsächlich eine heimische Art darstelle, oder ob sie nicht etwa durch forstliche Maßnahmen oder Ansalbung hierher zu uns gekommen sei. Die Analyse der Altersstruktur des Bestandes und die Untersuchung der Vergesellschaftung der Blumen-Esche (d.h. ihres Zusammenspiels mit anderen Bäumen und Pflanzenarten) stützen die Hypothese, dass diese Baumart bei uns wohl nicht ureinheimisch (autochthon) sein wird: zu engflächig ist ihre Verbreitung, zu undifferenziert ihre Vergesellschaftung. Die Blumen-Esche wird nicht so alt wie die Edel-Esche; der älteste lebende Baum steht im Gradental und ist etwa 90 Jahre alt. Da die Bäume nicht älter als 120 Jahre alt werden und forstliche Aufzeichnungen keinen Hinweise auf die Geschichte der Blumen-Esche im Gradental liefern, können wir nur annehmen, dass diese Baumart im Laufe der letzten Jahrhunderte in unser Gebiet gekommen ist; auf welche Weise kann auch weiterhin nur vermutete werden.

Jedenfalls hat sie hier einen günstigen Standort vorgefunden, gedeiht sehr gut und breitet sich rasch aus. Die große Zahl der Jungbäume (unter 10 Jahren) zeugt davon. Um zu erforschen, inwieweit die Ausbreitung (Sukzession) der Blumen-Esche die Vegetation prägt, bzw. verändern kann, sind Langzeitbeobachtungen (sog. Monitorings) wünschenswert. Wir haben durch Markierungen im Gelände Probeflächen festgelegt, die in Folge regelmäßig kontrolliert und protokolliert werden sollen. So kann man die Ausbreitungsbewegung der Blumen-Esche möglichst exakt erfassen. Des weiteren ist ein wissenschaftliches Projekt zur Erforschung der Blüten- und Fortpflanzungsökologie der Blumen-Esche in Vorbereitung.

Durch das großzügige Entgegenkommen des für die Gemeindewälder zuständigen Forstsachverständigen, des Herrn Oberförsters Ing. Rudolf Konrad, der der Markierung von Bäumen und Beobachtungsflächen zustimmte, konnten die Untersuchungen effektiv betrieben werden. Auch werden so in Zukunft auf unserem Gebiet spannende Forschungsvorhaben möglich sein und interessante Ergebnisse im Bereich der Botanik bringen. Wir ersuchen daher alle Spaziergänger, Jäger, Wanderer und Naturfreunde die von uns angebrachten Markierungen nicht zu verändern.

Thomas Wallmann

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