
Die Wuchsform dieser alten Edelkastanienbäume verrät, dass sie in ihrer Jugend nicht - wie das heute der Fall ist - in Konkurrenz zu zahlreichen Waldbäumen standen: Sie haben starke Stämme ausgebildet, die sich schon in geringer Höhe in wenige starke Äste verzweigen.

Auf eine Jugend der Kastanienbäume als Gartenbäume verweist auch die Forstkarte aus dem Jahre 1923, wo die Fläche, auf der diese Bäume stehen, noch nicht als Wald sondern als „Merkensteiner Obstgarten" eingetragen ist. Eine ältere Karte bezeichnet aber diesen Bereich schon als Kastanienwald. Möglicherweise haben Wald- und Obstgartencharakter auf dieser Fläche im Lauf der Zeit mehrmals gewechselt.


Einzelne Kastanienbäume am Rande der Forststraße zur Ruine Merkenstein mussten aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Die Auszählung der Jahresringe führt uns etwa 160 Jahre zurück, also in die Zeit, in der das Schloss Merkenstein umgebaut wurde (1843/1844). Diese Bäume haben Stammdurchmesser von ca. 80 bis 90 cm.

Die mächtigen, nun allmählich absterbenden Kastanienbäume im Inneren des Kastanienwaldes sind bedeutend älter, ihre Durchmesser betragen etwa 110 bis 120 cm. Da die Stämme schon hohl sind, ist die Altersbestimmung über Auszählung der Jahrringe nicht möglich. Ihr Alter kann dennoch abgeschätzt werden: Für die Zuwachsdifferenz gegenüber den 160-jährigen Bäumen können etwa 90 Jahre angenommen werden. Diese ehrwürdigen Baumgestalten werden wohl aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen.