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Bad Vöslau Die offizielle Website der Stadtgemeinde Bad Vöslau

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Februar 2009
Haselstrauch (Corylus avellana) und
Baum-Hasel (Corylus colurna)

Bei warmem Wetter können Allergiker schon im Februar durch die Pollenwarnung alamiert werden: Die Hasel stäubt.

(Von Allergie nicht geplagte Menschen freuen sich einfach: Der Winter geht bald zu Ende.)

Bild 1: Corylus avellana_ Waldsaum im Rohrbachtal nahe Schwarzem Kreuz_07.Februar 2007
Haselstrauch mit reichlichem Besatz an Staubkätzchen

 

Die „Haselnussstauden" werden korrekt als „Haselsträucher" bezeichnet. Meist werden die Sträucher nur 3 bis 4 m hoch, auf gutem Grund können sie aber durchaus auch doppelt so hoch werden, wobei dann die Triebe nicht nur die Dicke von „Haselnussstecken" haben sondern Stammstärken von 15 cm entwickeln können.

Bild 2: Corylus avellana_Kalkgraben_03. Februar 2008

sehr hoch gewachsener Haselstrauch

 

Die Blüten der Haselsträucher sind nach Geschlechtern getrennt. Die männlichen Blütenstände sind Kätzchen („Würsteln"): An einem biegsamen und herabhängenden Stängel sind regelmäßige schuppenartige Gebilde angeordnet, die die darunter sitzenden Staubblüten schützen. Die Stempelblüten sind zu mehreren in knospenähnlichen Blütenständen zusammengefasst, jede Blüte hat zwei auffallend roten Narben.

Bild 3: Corylus avellana_07. Februar 2007

Blühender Zweig von einem Haselstrauch. Links Staubkätzchen, re Stempelkätzchen mit rotem Narbenbüschel

 

***

Seit etwa 1985 wurde die Baum-Hasel (Corylus colorna) in Vöslau vielfach als Straßenbaum gepflanzt, weil sie auf unterschiedlichen Standorten gut gedeiht, sehr widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und Insekten und unempfindlich gegen Immissionen ist.

Bild 4: Corylus colurna_Florastraße_12. Jänner 2008

Ausschnitt aus dem Kronenbereich einer Baum-Hasel. Die Staubkätzchen sind ausgebildet, aber noch geschlossen. Die Fruchthüllen vom Vorjahr befinden sich noch am Baum


Die Fruchthüllen der Baum-Hasel sind wesentlich größer als jene der heimischen Haselnuss und haben lange grob gezähnte Zipfel, die verholzen und über den Winter an Baum bleiben.

 


Die Baum-Hasel bildet in jungen Jahren eine schlanke pyramidenförmige Krone aus, wie an den vor etwa zwanzig Jahren gesetzten Bäumen am Schubertplatz, in der Soosser Straße, an der unteren Flora Straße, in der Rudolf Reiter Straße, der Gutmann Straße, der Hauptstraße und an anderen Stellen zu beobachten ist.


Bild 5: Corylus colurna_Schubertplatz_07. Februar 2005

Das Stadtmuseum am Schubertplatz, rechts im Hintergrund die spitzkegeligen Kronen von zwei Baum-Haseln. Nahaufnahme der Krone.


Im Garten der Edelweiß-Villa (Sellnergasse), am Beginn der Grafgasse (auf einem Grund, der vor Errichtung der Häuser Hochstraße 43 Teil des Friedmann-Parks war) und im Garten zur Villa in der Johann Strauß-Straße 11 sehen wir Bäume, die wohl im Zuge der Begründung der Grünanlagen auf diesen Grundstücken gepflanzt wurden, also deutlich über ein Jahrhundert alt sind. Sie haben eine breite Krone ausgebildet.

Bild 6: Corylus colurna_Johann Strauß - Straße 11_ 04.März 2009

Alte Baumhasel mit breit ausladender Krone, im Hintergrund das Haus Johann Strauß-Straße 11

 


Die Baum-Hasel (Corylus avellana) ist in Mitteleuropa nicht heimisch. Ihr natürliches Areal erstreckt sich vom Balkan über das Kaukasusgebiet und den Nord-Iran bis Afghanistan, wo sie einzeln oder in Gruppen in die Bergwälder eingesprengt ist.

Beck von Managetta schreibt in der 1890 erschienenen Flora von Niederösterreich über Corylus colurna: „ Im Jahre 1582 aus Constantinopel nach Niederösterreich gekommen und hier in den Gärten cultiviert; auch manchmal verwildert, wie in den Wäldern bei Merkenstein.[...] Türkische Haselnuss".

Verwilderte Baum-Haseln sind in den Wäldern um Merkenstein nicht mehr zu finden. Allerdings gibt es im Park des Schlosses Merkenstein einen geschützten Baum mit breit ausladender Krone, der älter als 300 Jahre ist.

Bild 7: Corylus colurna_Schloss Merkenstein_10. Februar 2008

Alte Baumhasel mit breit ausladender Krone, im Hintergrund das Schloss Merkenstein

 


Der Chronist der Pfarren des Stiftes Melk, Ignaz Franz Keiblinger, berichtet „von den ehrwürdigen zwei türkischen Haselnussbäumen (Corylus arborea), welche zur Zeit des Kaisers Leopold I. zwischen 1690-1693 durch den gewesenen kaiserlichen Gesandten in der Türkei, Hofrath Franz Anton Edlen von Quarient und Raal, gepflanzt worden sein sollen, wovon aber der eine im Jahr 1854 ausstarb."
Eine Baumscheibe des abgestorbenen „türkischen Haselnussbaumes" dürfte länger erhalten geblieben sein, wie eine Zeitungsnotiz über eine „Ausstellung des landwirthschaftlichen Vereins von Baden" vom 18. September 1864 vermeldet: „ Interessant ist uns eine runde, mehrere Schuh breite Haselholzplatte, die von einem Strauch aus dem nahen Merkenstein herrührt, welche 4 Männer nur schwer umspannen können."


Bild 8: Corylus colurna_Schloss Merkenstein_10. Februar 2008

Gefällte Baum-Hasel. Holz im Schnitt rötlich. Im Hintergrund Äste mit Kätzchen.

 

Aus Früchten dieser ehrwürdigen Bäume keimte so mancher Nachwuchs. Im Februar 2008 fielen diese, zu stattlichen Exemplaren herangewachsenen Bäume (vielleicht jene, von denen Beck-Managetta spricht) einer großzügigen Rodung zum Opfer. Ob außer dem geschützten Baum noch einzelne seiner Nachkommen existieren, ist nicht bekannt, weil der Schlosspark nicht zugänglich ist. (Nachtrag 08. März 2010: Mit dem Fernglas konnte ein Überlebender erkannt werden)


Bild 9: Corylus colurna_Gainfarn_23. Jänner 2008

Hintergrundbild: An einem Zwei Staubkätzchen und Stempelkätzchen. Nahaufnahme 1: noch geschlossenen Staubbeutel , von Schuppen überdacht, Nahaufnahme 2: knospenartiger Blütenstand aus Stempelblüten mit zahlreichen roten Narben

 

Die Blütenverhältnisse sind bei der Baum-Hasel (Corylus colurna) genau so wie bei der heimischen Haselnuss (Corylus avellana).

 

Bild 10: Corylus colurna_Gainfarn: 10. Februar 2004

Gruppe aus drei knapp nebeneinanderstehenden Stämmen der Baumhasel am Beginn einer Hecke zwischen Weingärten

Bemerkenswert sind verwilderte Haselbäume (Corylus colurna) am Rande eines Weingartens oberhalb der Gainfarner Kirche.

 

 

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