Abies spp.
..und nochmals Tannen -einige Nachträge
Anmerkung: Die zuverlässige Bestimmung von Tannenarten bereitet oft Schwierigkeiten. Da alle europäischen und kleinasiatischen Tannenarten leicht miteinander kreuzbar sind, kommt es bei Arten mit benachbarten Arealen zu natürlichen Bastarden. In Baumschulen, Parks und Arboreten sind Hybriden aus Arten entstanden, deren Verbreitungsgebiete nicht unmittelbar aneinander stoßen, und die Zeugung manchen Hybriden gelang durch künstliche Befruchtung. Es ist also immer mit Merkmalskombinationen zu rechnen, die nicht den reinen Arten entsprechen. Außerdem sind etliche Merkmale, die zur Unterscheidung der Arten herangezogen werden, vom Grade der Belichtung abhängig und unterliegen oft starken individuellen Schwankungen, so dass es Überlappungen der Merkmalsbreite geben kann, die eine sichere Diagnose erschweren. ( [1], S7f )
Kaukasus-Tanne oder Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana)
Im ehemaligen Forstgarten Hanifland stehen neben anderen Baumarten auch einige Nordmann-Tannen.
Bild 1: Abies nordmanniana_Hanifland_31. Jänner 2010
Bildtext 01: Im Hintergrundbild die Situation am Zaun zum ehemaligen Forstgarten Hanifland, in eingeschalteten Bildern eine Nordmanns-Tanne in Christbaumformat und eine Zweigspitze mit harzfreien Knospen und beinahe radial abstehenden Nadeln

Diese Tannenart besiedelt den westlichen Kaukasus und küstennahe Bergregionen Nordost-Anatoliens. Ihren Namen hat sie also nicht vom Siedlungsraum der Nordmänner, sondern vom finnischen Botaniker Alexander von Nordmann , der diese Art 1838 entdeckt und wenige Jahre später nach Westeuropa eingeführt hatte. Dänemark war der erste und ist heute noch der bedeutendste Produzent von Weihnachtsbäumen. Die Nordmann-Tanne zeichnet sich vor unserer heimischen Tanne (Abies alba) im Wesentlichen durch die dichtere und länger am Zweig haftende Benadelung aus.
Alle anderen Merkmale sind gleich oder überlappend mit jenen der Weiß-Tanne (Abies alba). In manchen Bestimmungsschlüsseln wird angegeben, dass bei A. alba die jungen Zweige behaart sind und bei A. nordmanniana nicht. Das trifft für die Nordmann-Tannen oft zu, es gibt aber auch solche mit behaarten Zweigen. ([2] S 230 & 238)
Die Nordmann-Tanne lässt sich leichter in Plantagen kultivieren, da sie in der Jugend nicht Beschattung verlangt wie unsere heimische Tanne.
Am Rande der Tannen-Kultur auf dem Harzberg sind auch Nordmann-Tannen gesetzt worden.
Bild 02: Abies nordmanniana_Harzberg_30. Jänner 2010
Bildtext 02: Eine Nordmann-Tanne in der Tannenversuchsfläche auf dem Harzberg. Im unteren kleinen Bild die Unterseite eines Zweiges mit abgerundeten, stumpfspitzen und ausgerandeten Nadelspitzen und völlig harzfreien Knospen, im oberen eingesetztem Bild Knospen nochmals herausgehoben.

Harzige Knospen und spitze-stechende Nadeln sind Merkmale der Griechischen Tanne (Abies cephalonica), harzlose Knospen und an der Spitze ausgerandete Nadeln kennzeichnen die Kaukasus-Tanne (Abies nordmanniana). Der größte Teil der Bäume in der Versuchpflanzung lässt sich auf Grund dieser Merkmale eindeutig einer der beiden Arten zuordnen. Einige dieser Bäume zeigen Eigenschaften, die Zweifel an Ihrer Identität aufkommen lassen (A. cephalonica oder A. normanniana?). Sie tragen neben an der Spitze abgerundeten und etwas eingekerbten Nadeln auch solche mit fast stechenden Spitzen, ihre Knospen sind schwach, aber deutlich harzig. Diese Merkmalskombination wird von Tannen der Berglagen Bulgariens, Mazedoniens und des nördlichen Griechenlands beschrieben (Abies borisii-regis: [2] S 233) , die ihr Verbreitungsgebiet zwischen den Arealen der Weiß-Tanne (Abies alba) im Norden und der GriechischenTannne (Abies cephalonica) im Süden, z. T. mit diesen verzahnt, hat. (Mache Autoren deuten diese Bäume als Hybriden, nämlich Abies cephalonica x A. alba, andere nehmen für alle drei Arten eine gemeinsame Abstammungssippe an.) Es dürften im Schlosspark zu Grafenegg, woher die Samen der Bäume auf dem Harzberg stammen, Griechen-Tannen mit Pollen von heimischen Weiß-Tannen bestäubt worden sein. Beide Arten stehen dort nahe beisammen.
Weiß-Tanne (Abies alba)
Bild 03: Abies alba_Buchbachtal_11. März 2007
Bildtext 03 : Wipfelzweig einer Tanne. Bei allen Tannen fällt der Tannenzapfen nicht ab (wie das bei Fichten der Fall ist), sondern die Zapfenschuppen lösen sich einzeln und nur die zentrale Zapfenspindel bleibt erhalten. Die Nadeln an diesem Fruchtzweig sind spitz.

Die Nadelspitze der heimischen Tanne wird in fast allen Büchern als stumpf, abgerundet oder leicht gekerbt beschrieben, was für Zweige in beobachtbarer Höhe, an Jungbäumen wie an den unteren Ästen älterer Bäume, zutrifft. Selten bekommt der botanisch interessierte Waldbesucher einen Tannenwipfel zu Gesicht und kann erkennen: Die Nadeln an Lichtzweigen und besonders an den zapfentragenden Zweigen haben spitze Nadeln und können allseits Spaltöffnungen aufweisen (Eine Feststellung, die in den meisten Büchern, die Informationen über Tannen enthalten, fehlt.)([2] S 231 und [4] S 5)
Bild 04: Karte Tannenvorkommen auf dem Gemeindegebiet von Bad Vöslau [Basiskarte: ÖK 50, Blatt 5201,(c) BEV 2010, T2010/63039, www.bev.gv.at]
Bildtext 04: Im Bereich der grün markierten Fläche sind Tannen am Aufbau der Mischwälder beteiligt und samen reichlich aus. Die grünen Punkte bezeichnen die Lage von einzelnen Tannen, kleine Punkte für Bäume bis etwa 2m Wuchshöhe, die größeren Punkte Einzelbäume mit Wuchshöhen von einigen Metern und mit Durchmessern von 20 bis 35 cm. Auf der kleinen Fläche südlich der Ruine Merkenstein stehen etwa 20 kleine Tannen mit Wuchshöhen von 0,5 bis 2m. Die orange gefärbten und mit einer orangen Linie eingfassten Bereiche markieren Pflanzungen mit der Griechischen Tanne, die Fläche westlich von Niederschlatten zeigt die Lage der Verjüngung durch Samenanflug von zwei alten Griechen-Tannen an (orange Fläche ohne Einfassungslinie). Sonst gibt es außer einigen stattlichen Bäumen in Gärten und im Gainfarner Schlosspark nur eine alte Griechische Tanne westlich der Ruine Merkenstein. Die Lage dieser Bäume ist durch orange Punkte markiert. Einzelne kleine Griechen-Tannen findet man in Siedlungsnähe, auf dem Totenkopf und auf dem Harzberg. Ihre Lage ist auf dieser Karte nicht dokumentiert.

Vöslau liegt am Rande einer Areallücke der Weiß-Tanne. Die Weiß-Tanne besiedelt die Alpen, die Karpaten, die Gebirge des Balkans bis Nordgriechenland, die italienischen Gebirge, das französischen Zentralmassiv und die Pyrenäen[*]. Die Tanne ist empfindlich gegen strenge Winterkälte, besonders gegen Spätfröste, und steigt daher in den Alpen nicht bis zur Waldgrenze, sie verträgt sommerliche Dürre nicht und besiedelt daher Gebiete mit pannonischen Klimaeinfluss nicht. Auf unserem Gemeindegebiet stehen also die östlichsten Vorposten der Weiß-Tanne am Rande der pannonischen Areallücke. Auf den lehmigen Böden des Totenkopfs gibt es wegen der günstigen Bodenwassersituation auf etlichen Waldparzellen noch schöne Tannenbestände. Die Standorte am Südhang des Lindkogels, auf dem Hauerberg und auf dem Harzberg trocknen im Sommer zu sehr aus, als dass sich die Tanne hier halten könnte. Nur an ganz wenigen Stellen finden wir am Harzberg kümmernde und schlecht wüchsige Tannen. An der Südabdachung des Lindkogelnmassics dürften es nicht mehr als drei erwachsene Tannen geben.
[*] http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/50085/abb10.gif
Griechische Tanne (Abies cephalonica)
Bild 05: Abies cephalonica_Harzberg_06. Februar 2010
Bildtext 05: Einige frei gestellte Griechen-Tannen nach Entnahme des alten Bestandes aus Buchen, Schwarz-Föhren und Eichen. Unteres Bild: Der Blick von oben auf eine junge Griechen-Tanne zeigt die spitz-stechenden Nadeln.

Auf dem Unterhang des Harzberges (oberhalb des Weingutes Schlossberg) wurden 1977 auf eine kleine Fläche junge Griechen-Tannen gesetzt [5]. Diese Bäumchen zeigen, dass die Griechische Tannen, wie unsere Weiß-Tannen (Abies alba), viele Jahre im Schatten eines Bestandes mit dichtem Kronenschluss gut überleben können. Nach der Freistellung im Winter 2009/10 werden sie kräftig anschieben. Derzeit sind die gleichaltrigen Bäume in der Tannenversuchsfläche im Durchschnitt um einige Meter höher gewachsen.
Spanische Tanne (Abies pinsapo):
Bild 06_Abies pinsapo_ Harzberg_16. Jänner 2010
Bildtext 06: Am Zaun zur Rodelbahn ist etwas unterhalb der Mitte eine Tafel mit der Aufschrift „Forstliches Sperrgebiet" angebracht. Von diesem Punkt aus kann man die Spanien-Tannen gut erkennen.

Auf der Tannenversuchsfläche auf dem Harzberg wurden zu Vergleichszwecken auch einige Spanien-Tannen gesetzt, die allerdings hier nur sehr langsam wachsen.
Die Erkennungsmerkmale der Spanischen Tanne: steife, aber nicht stechende Nadeln, die bürstenförmig um die Zweige angeordnet sind; an der Nadelunterseite wie bei allen Tannen zwei weiße Streifen aus Spaltöffnungen, oberseits zartere Spaltöffnungsreihen, die meist bis zur Nadelbasis reichen; die Deckschuppen sind deutlich kürzer als die Zapfenschuppen; die Knospen sind von einer Harzschicht umschlossen.
Diese Merkmale lassen sich auch bei den großen Tannen in den Gärten zu den Adressen Schlumbergerstraße 1 und Waldandachtsstraße 13 erkennen:
Bild 07: Abies pinsapo_Waldandachstraße 13_23. Dez. 2007 & 28. Jänner 2010 Bildtext 07: Die beiden Spanischen Tannen im Garten Waldandachstraße 13. Links oben zwei Nahaufnahmen einer Triebspitze mit starr abstehenden Nadeln und mit harzüberzogenen Knospen, rechts oben eine einzelne Nadel von oben gesehen mit zarten Spaltöffnungsreihen, darunter die Unterseite dieser Nadel mit zwei kräftigen Spaltöffnungsbändern. Rechts unten: abgefallene verholzte Zapfenschuppen, die trockenhäutigen Deckschuppen sind deutlich kürzer.

Bild 08_Abies pinsapo_Schlumbergerstraße 1_30. Dez. 2007 & 28. Jänner 2010
Bildtext 08: Die großen Tannen im Garten zu Schlumbergerstarße 1, kleine Bilder von oben nach unten:
Zweig von oben , Zweig von unten, Nadeln mit Oberseite und Unterseite, Ausschnitt aus der unteren Nadelhälfte, abgefallene Zapfenschuppen, die zarten Deckschuppen sind kürzer als die verholzten Zapfenschuppen

Kolorado-Tanne (Abies concolor)
Im Garten Jägermayerstraße 21 steht eine Tanne, die durch ihre graugrünen langen Nadeln auffällt. Diese Kolorado-Tanne (Abies concolor) aus den südlichen Rocky Mountains hat die längsten Nadeln aller Tannenarten (4-8cm). Unser Klima sagt ihr zu, da sie Sommertrockenheit gut verträgt, weniger unsere Böden, da sie anlehmige, tiefgründige und saure Substrate als Standorte bevorzugt. ([3] S 30)
Bild 09: Abies concolor_Jägermayerstraße_09. September 2006
Bildtext 09: Kolorado-Tanne mit langen, graugrünen Nadeln

Literaturhinweise:
[1] SCHÜTT, P., 1994: Tannenarten Europas und Kleinasiens. ecomed. Landberg am Lech
[2] MATTFELD, J.: Zur Kenntnis der Formenkreise der europäischen und kleinasiatischen Tannen. In: Notizblatt des Botanischen Gartens und Museums zu Berlin-Dahlem. Nr. 84 (Bd.IX). 20. März 1925
[3] SCHÜTT P.,1994: Tannenarten Europas und Kleinasiens. S 30
[4] SCHÜTT, WEIßGERBER, SCHUCK, LANG, STIMM & ROLOFF, 2004: Lexikon der Nadelbäume. Ecomed:Landsberg/Inn
[5] KONRAD, R., 2010, mündliche Mitteilung