Griechische Tanne oder Griechen-Tanne (Abies cephalonica)
2. Teil
Bild 1: Abies cephalonica_Harzberg_12. Jänner 2003
Bildtext 1: Zwei 25 Jahre alte Griechische Tannen auf der Tannenversuchsfläche auf dem Herzberg, die von einem 155 Jahre alten Schwarzföhrenwald umschlossen ist.

Abies cephalonica ist in den Gebirgen Griechenlands heimisch, wo sie Höhenlagen zwischen 800 und 1700m besiedelt . An diesen Standorten kann ein Baum nur überleben, wenn er große Trockenheit aushält. Diese Dürreresistenz war auch ausschlaggebend für Versuchspflanzungen in niederschlagsärmeren Gebieten Mitteleuropas. So wurde 1977 auf dem Hügel zwischen Rodelbahn und Gradental eine Versuchsfläche angelegt. Das Tannensaatgut wurde von alten Tannen im Schlosspark von Grafenegg bei Tulln geerntet.
[Die Versuchsfläche ist durch einen Zaun vor Wildverbiss geschützt, nimmt eine Fläche von etwas mehr als einem Hektar ein und ist zu etwa 3/4 mit Griechischen Tannen und zu 1/4 mit gleichaltrigen Schwarz-Föhren bestockt. Einige Griechische Tannen stehen auch außerhalb des Zaunes. Zu Vergleichszwecken wurden auch einige Spanische (Abies pinsapo) und einige Kaukasus-Tannen (Abies nordmanniana) gepflanzt.]
[Über die Herkunft des Saatgutes > Forschungsbericht 1997 des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft Abteilung II A 1: " ... Bad Vöslau werden Nachkommen von Beerntungen nach freier Abblüte von neun Abies cephalonica-Bäumen, einer Nordmannstanne (Abies nordmanniana) und einer Spanischen Tanne (Abies pinsapo), alle aus dem Schloßpark von Grafenegg, geprüft." publikationen.lebensministerium.at/filemanager/download/51324 Dazu im Widerspruch steht die Mitteilung von R. Konrad, der sich erinnert, dass die Samen für die Versuchspflanzen von der nun gefällten Tanne im Gainfarner Schlosspark und von einem Baum aus einem Garten nahe dem Badener Kurpark stammen. ]
Bild 2: Tannen-Versuchsfläche_Harzberg_16. Jänner 2010
Bildtext 2: Eine Hinweistafel mit der Aufschrift "Forstliche Bundesversuchsanstalt Versuchsfläche" und eine Hinweistafel „Forstliches Sperrgebiet-Betreten verboten" am Zaun um die Tannenversuchsfläche sollen Unbefugte vom Betreten des Gebietes abhalten.

Der Versuch wurde 2007 abgeschlossen. Es hatte sich gezeigt, dass die beste der neun Nachkommenfamilien eine durchschnittliche Höhe von etwa 4m erreicht hatte, die schlechteste nur 2m, während die zu Vergleichzwecken dazwischen gesetzten Schwarz-Föhren über 5m Durchschnittshöhe erreicht hatten. Erklärt werden kann dies durch Wassermangel im Sommer. "Die Erschöpfung der Bodenwasserreserven gegen Ende der Sommertrockenheit kann zu kritischen Situationen führen, von der die Griechische Tanne stärker betroffen ist als ihre heimische Konkurrenz, da, anders als im natürlichen Verbreitungsgebiet, bei uns Nebel- und Wolkenbildung fehlen, die den Wassermangel lindern würden."
[ LIESEBACH, M., WEISSENBACHER L. & SCHULTZE U., 2007: Forstliche Erfahrungen mit Abies cepahlonica im sommerwarmen Osten Österreichs. In. Mitt. Dtsch. Dendrol. Ges. (MDDG), 92: 62-76]
Sonst wurden Griechische Tannen nur selten forstlich eingebracht, so vor etwa 20 Jahren an einer Stelle im Merkensteiner Tiergarten, einige auch im Bereich des Schießstandes Merkenstein [Mündliche Mitteilung M. Steiner]. Möglicherweise wurde diese Art einst auch im Forstgarten Hanifland gezogen, da am Waldrand in diesem Bereich einige junge Griechische Tannen wachsen. Einzelne junge Griechische Tannen finden sich auch im Haidelhoferwald. (Sie könnten von den im Folgenden beschriebenen Alt-Bäumen abstammen)
Bild 3: Abies cephalonica_ Hanifland_ 20.November 2005
Bildtext 3: Eine etwa 3m hohe Griechische Tanne am Randes des ehemaligen Forstgartens Hanifland, umgeben von mehreren wesentlich kleineren Weiß-Tannen. Im kleinen Bild einen Zweig der Griechischen Tanne mit den typischen zugespitzten Nadeln.

Kleine Gruppe junger Griechen-Tannen stehen, artrein oder gemischt mit jungen Weiß-Tannen, an der Böschung der Straße von Haidlhof zur Bärensäule nahe der Buchwiese. Bei der Suche nach möglichen Elternbäumen fielen dann zwei mächtige Griechische Tannen auf, eine mit etwa ein Meter Stammdurchmesser, die andere nur wenig schwächer. Sie werden wohl so alt wie die gefällte Tanne im Gainfarner Schlosspark sein.
[Im Operat aus dem Jahren 1923 (Unterabteilung 7b- damals ein 55 jähriger Weißkiefernbestand) werden diese Tannen nicht erwähnt. Die Weißkiefern wären heute 140 Jahre alt, die Tannen könnten dieses Alter haben. Seltsamerweise werden sie auch im Operat aus dem Jahre 1960 nicht angeführt (Unterabteilung 30g - damals eine 21 jähriger Bestand aus „ 3 Hbu, 3 Ei,, 4 Wki, ei Bu, Bi, Fi, Ta lückig, gruppenw.")]
In diesem Waldstück gibt es neben einigen heimischen Weiß-Tannen etliche jüngere, wohl etwa 60 Jahre alte Griechische Tannen und etliche sehr junge Griechen-Tannen, die hier, im Gegensatz zu den heimischen Tannen, vom Wild nicht so stark verbissen werden.
Bild 4: Abies abies & A. cephalonica_Nähe Bärensäule/Beswaldföhre_17. Jänner 2010 Bildtext 4: An der Straße von der Bärensäule zur BeswaldFöhre. Oben: eine der beiden alten Griechen-Tannen. Mitte: eine etwa 2m hohe junge Griechen-Tanne. Unten: an der Straßenböschung die jüngsten Tannen (von links nach rechts): Abies alba - A. cephalonica - A.alba.

Ein Teil diese Waldstückes ist eingezäunt. Innerhalb des Zaunes wachsen, vom Wildäser geschützt, beide Tannenarten nebeneinander sehr dicht zu tadelloser Christbaumfasson heran. Allerdings überwiegen unsere heimischen Edel-Tannen bei weitem, wohl weil auf diesem tiefgründigen frischen Boden die vor Wildverbiss geschützten Weiß-Tannen den Griechischen Tannen in der Wuchsleitung deutlich überlegen sind. Nur außerhalb des Wildzaunes, wo die heimischen Weiß-Tannen durch den Wildverbiss weitaus mehr beeinträchtigt sind, können sich junge Griechische Tannen halten.
Bild 5: Abies cephalonica_Merkenstein_20. Dezember 2009
Bildtext 5: Die alte Griechische Tanne im Merkensteiner Tiergarten mit vielen Trockenästen, mit mehrfach gebrochenen Leittrieben und neuen, aus Astansätzen entwickelten Wipfeltrieben.

Sehr alt muss auch die Griechische Tanne im Merkensteiner Tiergarten sein, die wohl alle aufmerksamen Besucher des Aussichtsturmes und des Türkenbrunnens kennen. Sie muss in der Jugend frei gestanden sein, weil starke Äste tief ansetzen. Beeindruckend ist die Lebenskraft dieser alten Tanne: Den Wipfel hat der Sturm gebrochen, obere Äste haben sich zu Ersatzwipfeln entwickelt, aus einem Bruch eines starken Leittriebes streckt sich ein weiterer Ast wie ein junger Baum empor. Trotz vieler Brüche, Trockenäste, der Längsspaltung eines Wipfelastes und zahlreicher Spechtlöcher zeugt das frische und üppige Nadelkleid an den intakten Teilen von der hoher Vitalität dieses Baumes.
Bild 6: Abies cephalonica_Merkenstein_20.Dezember 2009
Ein Detail von der alten Griechischen Tanne im Merkensteiner Tiergarten: Der Stamm ist gebrochen und gespalten, zwei Äste haben sich nach oben gekrümmt und die Leittriebfunktion übernommen

Aus den Gärten und Parks sind Samen der Griechischen Tanne durch den Wind auch in die Abhänge des Harzberges vertragen worden. So finden wir hier hin und wieder junge Bäumchen, auf einige wird durch Tafeln am Waldlehrpfad hingewiesen.
Bild 7: Abies cephalonica_Harzberg_30.Jänner 2010
Bildtext 7: Auf eine der jungen Griechen-Tannen wird am Lehrpfad durch eine Tafel aufmerksam gemacht.

Merkmale:
Die Nadeln der Griechischen Tanne (Abies cephalonica) sind stechend spitz, bei der heimischen Tanne (Abies alba) ist die Spitze abgerundet oder eingekerbt (dadurch zweispitzig, aber nicht stechend).
Die junge Triebe sind bei der Griechen-Tanne glatt und etwas glänzend, bei der heimischen Tanne behaart.
Die Knospen der Griechen-Tanne sind stark harzig, die der Weiß-Tanne ohne Harzüberzug.
Bild 8: Abies cephalonica_Zweig- und Nadelmerkmale
Bildtext 8 : Detailaufnahmen von Tannenzweigen und Nadeln, links heimische Weiß-Tanne (Abies alba), rechts Griechen-Tanne (Abies cephalonica),
von oben nach unten: Zweigoberseiten, glänzend grün; Mitte: Zweigunterseiten mit weißen Streifen; unten: Nadelspitzen bei A. alba eingedellt, bei A. cephalonica scharf zugespitzt. Die weißen Streifen sind dichte Reihen von Spaltöffnungen an der Unterseite der Nadeln

Im Wuchs bildet die heimische Tanne gerade Stämme aus, alte Bäume reduzieren das Höhenwachstum, die obersten Äste werden aber weiterhin nur wenig kürzer als die tiefer ansetzenden, wodurch eine abgeflachte Krone, ein sogenanntes „Storchnenest", ausgebildet wird. (Anders bei Fichten, die auch im Alter meist einen pyramidenartigen Wipfelaufbau zeigen.)
Bei der Griechischen Tanne trifft dies auch zu, zusätzlich ist bei vielen alten Bäumen zu beobachten, dass sie in großer Höhe (oft mehrfach) gegabelt sind und dadurch Zweifachwipfel oder Mehrfachwipfel ausformen.
Bild 9: Abies alba_Buchbachtal_22. März 2009 & Abies cephalonica_Schlosspark Gainfarn_07. Jänner 2008
Bildtext 9: Eine freigestellte Weiß-Tanne mit bis zurm Wipfel geradem und ungeteiltem Stamm, zwei Griechische Tannen mit mehrfach geteilten Leittrieben.
