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Bad Vöslau Die offizielle Website der Stadtgemeinde Bad Vöslau

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Perückenstrauch (Cotinus coggygria)


Der Perückenstrauch ist eine Besonderheit der Flora des Harzberges. Diese Gehölzart hat ihre Hauptverbreitung im Mittelmeergebiet, im südlichen Osteuropa und in der Region zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer, kommt dann wieder im Himalajagebiet und nach einer weiteren Unterbrechung des Areals in China vor.

Bild: Cotinus cogyggria_Straußgrube_07. Oktober 2007
Bildtext 1: Ein Perückenstrauch am Rande der Steilabfälle des ehemaligen Steinbruchs am Harzberg.
Die Äste zeigen die für die Art typische verbogene Wuchsform, das Laub ist prächtig scharlachrot verfärbt.

Text: Ein Perückenstrauch am Rande der Steilabfälle des ehemaligen Steinbruchs am Harzberg. Die Äste zeigen die für die Art typische verbogene Wuchsform, das Laub ist prächtig scharlachrot verfärbt.

 

In Österreich sind die Vorkommen auf Gebiete mit pannonischem Klimaeinfluss beschränkt, und auch in diesem Bereich wächst der Perückenstrauch nur an wenigen Fundorten: Neben zwei kleinen Vorkommen bei Staatz und bei Piesting nur an den Berghängen der Thermenlinie zwischen Baden und Merkenstein [1], wobei er bei Baden nur sehr sporadisch zu finden ist. Nur an den Abhängen des Harzberges und des Kaisersteins, vor allem an den nach Süden abfallenden, ist er häufig. Die einzigen bedeutenden Vorkommen in Österreich existieren also auf dem Vöslauer Gemeindegebiet!

Bild 2: Cotinus goggygria_kultiviert_Wasserleitung-Millöckergasse_08. November 2004
Bildtext 2: Kultivierter Perückenstrauch in einem Garten in scharlachroter Verfärbung

Text: Kultivierter Perückenstrauch in einem Garten in scharlachroter Verfärbung

Der Perückenstrauch wird auch häufig in Gärten und Parks gepflanzt. Die Ursprünglichkeit unserer Vöslauer Perückensträucher ist wohl kaum anzuzweifeln: Der Perückenstrauch wird seit 1656 kultiviert [2], aber schon 1601 berichtet CLUSIUS[3]:

Er wächst spontan auf dem Berge, der zu den Thermen von Baden hineinragt, die von Wien 4 Meilen entfernt sind, und auf gewissen benachbarten [bergigen] Stellen, wo ich ihn bisweilen so niedrig fand, dass er kaum die Höhe von einer Elle erreichte. ... Er blüht um Wien, der Hauptstadt Niederösterreichs, im Mai, an wärmeren Orten früher... ...Die Gerber machen von diesem Strauch zum Bereiten der Felle Gebrauch, sowohl anderswo, als auch um Wien in Oesterreich, wo sie [ihm] auch den gemeinüblichen Namen Sumach gegeben haben." [4]

Bild 3: Cotinus coggygria_Steinkamperlweg _ 25. Oktober 2006
Bildtext 3: Der Perückenstrauch bedeckt flächig und lückenlos den Waldboden im Eichen-Schwarzföhrenwald östlich des Steinkamperls

Der Perückenstrauch bedeckt flächig und lückenlos den Waldboden im Eichen-Schwarzföhrenwald östlich des Steinkamperls

Das dichte und oft flächendeckende Auftreten wird uns vor allem im Oktober bewusst, wenn sich die Blätter in prächtiger Weise verfärben. Voraussetzung ist allerdings, dass die Zeit davor nicht zu trocken war. Fallen im September und Oktober keine nennenswerten Niederschläge, verfärben sich die Blätter nur gleichmäßig blass braungelb, bleiben in diesem Zustand oft lange am Strauch und fallen dann ohne weitere Verfärbung vertrocknet ab.


Bild 4: Cotinus coggygria_Sandbergstraße_07. Oktober 2007
Bildtext 4: Zwei Perückensträucher an der Böschung der Sandbergstraße, einer mit noch grünem Laub, der andere schon vollständig verfärbt

Zwei Perückensträucher an der Böschung der Sandbergstraße, einer mit noch grünem Laub, der andere schon vollständig verfärbt

Wenn die Niederschlagsmengen aber ausreichend sind, entwickeln die Perückenstrauchbestände ein Feuerwerk an Farben: Neben Sträuchern mit noch grünen Blättern leuchten die benachbarten in verschiedenen Rot- und Gelbtönen. Die unterschiedlichen Abläufe der Verfärbung auf unmittelbar nebeneinander wachsenden Perückensträuchern bewirken ein besonders farbenprächtiges Bild in der Strauchschicht und in den Säumen der Wälder auf dem Harzberg.


Bild 5: Cotinus coggygria_Harzberg_13. Oktober 2003 & 09. Oktober 2005.jpg
Bildtext 5: Montage von acht Bildern vom Perückenstrauch in  Herbstverfärbung von grün zu gelb, orange, purpur und scharlachrot, links erste und zweite Reihe vom 13.10.2003, alle anderen vom 09.10.2005

Montage von acht Bildern mit Herbstverfärbung von grün zu gelb, orange, purpur und scharlachrot, links erste und zweite Reihe vom 13.10.2003, alle anderen vom 09.10.2005

 

Der Perückenstrauch wurde in vergangenen Jahrhunderten als Färbepflanze verwendet und dazu auch kultiviert. In einer „Anleitung zur Cultur und Benützung des Ruja=Strauches oder Perücken=Baumes", erschienen 1812 in Wien, wird berichtet, dass aus Ungarn große Mengen des Holzes vom Perückenstrauch in alle Länder der Monarchie verkauft wurden und allein „in der Gegend von Wien allein über 1000 Centner" verwendet wurden, da „ dieses Farbematerial zu den vielen gegenwärtig so beliebten Schattirungen von Gelb und Grün in den Stoffen beynahe unentbehrlich ist." Weiter wird berichtet, dass aus den Blättern und jungen Zweigen ein Farbstoff zum Schwarzfärben von Wolle und Leder gewonnen wird, der teure ausländische Färbemittel ersetzen kann (BAUHIN berichtet im 16. Jahrhundert, dass die Bewohner eines Landstriches in der Provence die Wurzeln zum Rotfärben von Stoffen verwendet haben. [5] In Südosteuropa und in Russland hat der Perückenstrauch wegen des hohen Gerbstoffgehaltes auch heute noch wirtschaftliche Bedeutung und wird in Plantagen angebaut. [6]).

Bild 6: Cotinus Blüten_ 18.05.2008 & 08.05.2007 .jpg
Bildtext 6: Im Mai erscheinen die rispigen Blütenstände mit zahlreichen unscheinbaren, kleinen Blüten. Im selben Blütenstand können weibliche, männliche und zwittrige Blüten vorkommen, meist überwiegt aber ein Geschlecht, so dass die Sträucher meist mehr oder weniger rein weiblich (li unten) oder männlich (re unten)sind.

Im Mai erscheinen die rispigen Blütenstände mit zahlreichen unscheinbaren, kleinen Blüten. Im selben Blütenstand können weibliche, männliche und zwittrige Blüten vorkommen, meist überwiegt aber ein Geschlecht, so dass die Sträucher meist mehr oder weniger rein weiblich (li unten) oder männlich (re unten)sind.

 

In dieser Schrift aus dem Jahre 1812 wird wegen dieser Nutzungsmöglichkeiten  die  Kultur des Perückenstrauches in Österreich angeregt und es werden Anleitungen zur Vermehrung und Pflege der Pflanzen gegeben. Die Vermehrung aus Saatgut wird als „ mit den meisten Schwierigkeiten verbunden" beschrieben, weil nur wenige Samen zu bekommen sind ...


Bild 7: Cotinus coggygria_Gradental 11.06.2007 & Harzberg 27.07.2004&09.12.2002
Bildtext 7: Nur aus wenigen Blüten entwickeln sich Früchte. Die verlängerten und behaarten Blütenstiele bleiben in großer Zahl erhalten und formen ein Gebilde, das einer Barockperücke ähnlich ist.

Nur aus wenigen Blüten entwickeln sich Früchte. Die verlängerten und behaarten Blütenstiele bleiben in großer Zahl erhalten und formen ein Gebilde, das einer Barockperücke ähnlich ist.

... und diese oft dann auch noch taub sind, zudem in Österreich die Samen nicht alle Jahre reif werden und es 5 bis 6 Jahre dauern kann, bis man ein „Sträuchlein bekömmt."
Als „ die sicherste, bequemste und schnellste Methode" wird die Vermehrung durch Ableger empfohlen. „Denn da seine untersten Äste eine Strecke auf der Erde dahinliegen und sich dann etwas erheben, so darf man diese nur auf beyläufig 2 Fuß Länge mit Erde bewerfen, und diese etwas eintreten, so schlagen sie auch, vermöge einer dieser Fortpflanzungs-Methode besonders günstigen Neigung, an mehreren Örtern Wurzeln, wodurch also die Ableger schon gebildet sind."

Bild 8: Cotinus coggygria-Ableger_Harzbergstraße_23.November 2009
Bildtext 8: An einem auf dem Boden liegenden Ast sind Wurzeln entsprungen. Für die Aufnahme wurde dieser Ast aus der obersten Bodenschicht gerissen.

An einem auf dem Boden liegenden Ast sind Wurzeln entsprungen. Für die Aufnahme wurde dieser Ast aus der obersten Bodenschicht gerissen.

Das vielfach flächige Auftreten des Perückenstrauches am Harzberg ist auf die Fähigkeit der Sträucher zur Ablegerbildung zurückzuführen.

Bild 9: Cotinus coggygria_Kaiserstein_25. Oktober 2006
Bildtext 9: Ein Perückenstrauch mit baumartigen Wuchs und einer Wuchshöhe von etwa 4m.

Ein Perückenstrauch mit baumartigen Wuchs und einer Wuchshöhe von etwa 4m.

Die meisten Perückensträucher entwickeln daher Klone, die oft nur kniehoch, selten über einen guten Meter hoch werden. Daneben gibt es aber vereinzelt auch Sträucher, die einen deutlichen Leittrieb ausbilden, der zwei Meter hoch, noch seltener bis vier Meter oder höher aufragt, was dann schon den Namen Perückenbaum rechtfertigt. Ein besonderes Exemplar steht vor der Roverhütte: Es erreicht ein Höhe von acht Metern und ist damit ganz sicher der größte wild wachsende Perückenbaum Österreichs!

Bild 10: Cotinus coggygria_Roverhütte_19.Oktober 2008
Bildtext 10: Der größte Perückenbaum Österreichs mit einer Wuchshöhe von acht Metern in gelber Herbstverfärbung.

Der größte Perückenbaum Österreichs mit einer Wuchshöhe von acht Metern in gelber Herbstverfärbung.


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[1]   Einige wenige Sträucher am Rande eines alten Steinbruches bei Perchtoldsdorf (http://flora.nhm-wien.ac.at/Seiten-Arten/Cotinus-coggygria.htm ) könnten ursprünglich sein, es könnten aber auch verwilderte Nachkommen von Gartenpflanzen sein. Die Florenverfasser der vergangenen Jahrhunderte nennen diesen Fundort nicht, weder BECK (1890) noch JANCHEN (1977). Ob ein kleines Vorkommen auf der Kanzel bei Graz noch existiert, ist nicht bekannt. (http://www.xflora.info/)


[2]    http://www.garten-pur.de/125/Garten-pur_Portal/Baeume,_Straeucher/Artikel/Cotinus_-_Rauchzeichen_und_Feuer_im_Garten.htm


[3]    CAROLI CLUSI RARIORUM PLANTARUM HISTORIA LIBER PRIMUS, S 16 =
http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/ecluse/high/IMG_4131.html


[4]    Zitat und Übersetzung in: TSCHERMAK, 1931: Die natürlich vorkommenden Holzarten am Ostrand der Alpen in Niederösterreich. Sonderdruck aus „Oesterreichische Vierteljahreszeitschrift für Forstwesen". Jahrgang 1931, II. Heft. S 14f
In ZEDLERs Universallexikon (1732 - 1759) (http://www.zedler-lexikon.de ) wird Cotinus unter „Färber=Baum. Gelb Holz, Fustel" genannt und beschrieben, dass er wild wächst und „bey uns zuweilen in Spalt=Töpffen fortgepflantzet" wird. Bei BAUHIN und CLUSIUS findet sich kein Hinweis auf Kultur in unserer Gegend. TSCHERMAK schließt auch aus dem Clusiustext, dass unsere Vorkommen natürlich sind.


[5]    Zitiert in: HERMBSTÄDT, Sigismund Friedrich (Hsg), 1811: Bulletin des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der Naturwissenschaft.. Berlin: bei Carl Friedrich Amelang = http://books.google.at/books?id=Khc4AAAAcAAJ&pg=PA383&lpg=PA383&dq=bauhin+cotinus&source=bl&ots=pRHT0odFDF&sig=44Ha_reIRirbBuntd3QT3GRfObM&hl=de&ei=ZRsIS-


[6]    SCHÜTT et.al., 2006: Enzyklopädie der Sträucher. Nicole Vlg/ecomed Vlg: Hamburg. S 78

 

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