Zu schnell ist der September vergangen, und eigentlich wollte ich über ganz etwas anderes schreiben. Aber wie so oft…..
Ich habe mich für einige Tage mit meinem Mann Sepp ins Waldviertel zurückgezogen. Ich habe auf Sozialmedia ein altes Bauernhaus entdeckt und habe mich sofort in dieses Haus verliebt. Geplant war, dass wir mit den Fahrrädern den Indian Summer im Waldviertel genießen. Aber es kommt immer alles anders als man denkt. Wir fuhren ohne die Fahrräder am Auto im Nebel, Regen und Kälte vor ein paar Tagen in den Norden Niederösterreichs.
Wir trafen einen liebevoll renovierten Bauernhof an, die Nachbarin hatte für uns den Kachelofen und den Zusatzherd in der Küche angeheizt. Dafür waren wir sehr dankbar. Mittlerweile nach ein paar Tagen merken wir, wie sich unser Leben den „Nichtannehmlichkeiten“ anpasst.
Wir beide können uns noch so gut an unsere Kindheit bei unseren Großeltern erinnern. Da es keinen Flatscreen gibt, sitzen wir am Abend in der gemütlichen Küche und erzählen uns bei knisterndem Feuer alte Geschichten. Wir hören Radio und spielen alte Brettspiele, die hier im Schrank sind. Wir versuchen unseren digitalen Konsum so gut wie möglich zu reduzieren und nur Dinge im Netz zu machen, die Spaß machen.
Wir verbringen die meiste Zeit des Tages im Wald, vorher müssen wir uns aber Gedanken machen, welchen Ofen Sepp wann anheizen soll. Natürlich mit einem Blick auf das Wetter App.
Den Tee für das Frühstück hole ich von der Wiese des naturbelassenen Gartens, Sepp bereitet Schwammerl zu, die er im Wald gefunden hatte. So können wir die Wildkräuter und Pilzleidenschaft gemeinsam leben. Auch das nebeneinander Gehen muss nicht immer mit Kommunikation verbunden sein, schweigend zu gehen und nur das Knirschen der Schritte zu hören ist wie Meditation.
Der Urlaub hat für uns eine unerwartete Qualität bekommen, obwohl wir auf viele Annehmlichkeiten verzichten, kein Geschirrspüler, Wärme nur in Küche und Wohnraum,…trotzdem genießen wir die Gemütlichkeit, das Lesen, das Reden und das Radiohören. Wenn wir dann doch TV haben wollen gibt es ein WLAN hier, aber das benützen wie immer weniger.
Jetzt stelle ich mir berechtigt die Frage „War es früher besser?“ Naja, ich würde sagen nicht alles, den schweren Alltag der Menschen würden wir nicht mehr wollen. Doch sich mal zurückziehen, sich neu kalibrieren, runter vom Gas, die Kraft der Natur nützen und genießen bringen uns in einen wertschätzenden Modus, das Zwischenmenschliche wird wichtig, Leistung tritt für kurze Zeit in den Hintergrund. Trotzdem freue ich mich auch wieder auf unser „Smart home“, die Wärme auf Knopfdruck und vieles mehr, aber ich habe mir mehr Aufmerksamkeit für die Annehmlichkeiten vorgenommen und weniger Selbstverständlichkeit.
Ich bin überzeugt, dass wir vieles in den Alltag mitnehmen und hoffen das manches so lang wie möglich anhält. Diese Tage sind ein so wichtiger Schritt zur Pflege der mentalen Gesundheit, auch die Bewegung im Wald (wie in meinem letzten Blog beschrieben) tut uns gut.
Schlußresumè – weniger Konsum ist mehr Luxus. Mehr Wald ist immer gut.
Und wenn der Alltag uns wieder erdrückt – dann ‚backtotheroots