Die Rauhnächte** – eine magische, besinnliche Zeit

Im November habe ich über das Thema „Räuchern“ geschrieben. Räuchern kann und soll man natürlich das ganze Jahr, sei es zum Reinigen, Beruhigen, Loslassen,… am Ende meines Textes habe ich versprochen über die Rauhnächte zu schreiben.

Was ist das?

Wenn man so will, sind das übriggebliebene Tage, als wir vom Sonnen auf den Mondkalender umgestellt haben, sozusagen eine gewonnene Zeit.

Wann sind die Rauhnächte?

Es gibt 2 Zählweisen, eine vom 24.12. bis zum 6.1. (das sind 12 Nächte), oder man nimmt die Thomasnacht 20/21. Dezember (Wintersonnenwende) dazu. Diese Nacht wird auch Schwellennacht genannt.

Viele Rituale in dieser magischen Zeit stammen aus keltischer Vorzeit, die in den christlichen Jahreskreis übernommen wurden. Jetzt kann man sagen, alles Hokus Pokus, oder man lässt sich auf diese Zeit ein. Es gilt vielmehr Brücken zu schlagen zwischen dem wertvollen Wissen aus alten Tagen und den Vorzügen unserer heutigen Lebensweise. *  Viele Kräuter und ihre Wirkung beim Räuchern wurden uns aus dieser Zeit überliefert. Wir müssen sie nur in unsere Zeit und deren Bedürfnisse transponieren. Jeder soll und muss für sich selbst bestimmen was er für angemessen und sinnvoll empfindet. *

Die leider viel zu hektische und konsumorientierte Vorweihnachtszeit lässt uns nicht zur Ruhe kommen, obwohl diese Zeit eine so sensible Qualität hat. Die Natur und der bäuerliche Jahreskreis leben es uns vor, aber wir übersehen das oft. Sich in die Natur, in die Kälte oder in den Nebel zurückzuziehen hilft mir immer gut, sich zu erden.

Wie bereitet man sich auf die Rauhnächte vor?

Am 21. Juni und am 15. August sammle ich schon Kräuter wie Johanniskraut, Wiesensalbei, Dost, Beifuß,…und binde mir einen Räucherstick, dieser wird dann sorgfältig getrocknet, im Winter ist er dann einsatzbereit.

Ich verwende einige Abende im Advent, um ohne digitale Medien,nur mit einer Kerze und einem Räucherstövchen (vielleicht mit Johanniskraut und Salbei) Rückschau zu halten, in aller Stille.

Da ich seit Jahren ein Rauhnacht Tagebuch schreibe, beginne ich jeder Rauhnachtperiode damit jeden Monat des vergangenen Jahres Revue passieren zu lassen und schreibe die guten und schlechten Erinnerungen auf. Was ist gut gelaufen, was möchte ich im nächsten Jahr ändern oder besser machen. * Nun beginne ich meine Wünsche auf 13 Kärtchen zu schreiben, das kann oft mehrere Abende dauern. Die Karten werden gefaltet und in ein Gefäß gegeben. Jeder dieser Auszeiten ist eine wertvolle Zeit für mich selbst.

Wie lebe ich die Rauhnächte?

Ich beginne immer in der Christnacht (24.12. 0 Uhr), wenn der Weihnachtsabend vorbei ist, setze ich mich alleine zum Weihnachtsbaum, wenn alle schlafen und entzünde meinen Räucherstick.

Ich bedanke mich für den schönen Abend, für meine Familie und für den friedlichen Abend. Dann verbrenne ich den ersten Wunschzettel (ungelesen). In mein Tagebuch schreibe ich die Ereignisse des Tages. Denn jede Rauhnacht steht für einen Monat im nächsten Jahr, also der 24.12. für den Jänner. Dieses Ritual wiederhole ich täglich, meine tägliche Auszeit.

Starke Rauhnächte sind der Heilige Abend, der Silvester und der 3 Königstag. Ich verwende Silvester für eine Hausräucherung mit Kohle, Harzen und Kräutern, um das Haus zu reinigen, für einen guten Neuanfang.

Jetzt werdet ihr euch fragen, was ist jetzt mit den verbrannten Zetteln und warum 13, wenn nur 12 Rauhnächte? Der 13. Zettel wird nicht verbrannt, er wird in aller Ruhe geöffnet, das ist nun die Aufgabe für mich im nächsten Jahr. Ihr könnt euch denken, wie aufgeregt man da ist, was übriggeblieben ist

Zum Schluss noch einige Kräuter und ihre Wirkung beim Räuchern:

Salbei:*
Klärend, reinigend, Befreiung von Altlasten, fördert die Konzentration

Johanniskraut:*
Öffnung des Herzens, Loslassen, vertreibt negative Gedanken, Schutzfunktion, verleiht Kraft

Beifuss:*
Schutz und Reinigung, unterstützt Veränderungen, stärkt die Intuition, baut negative Spannung ab

Wacholder:*
Reinigend, desinfizierend, bietet Schutz und Sicherheit, hilft bei Erdung

Lavendel:*
Reinigend, desinfizierend, beruhigt Körper und Seele, schlaffördernd, fördert Inspiration und Krativität, stärkt Nerven,

Schafgarbe:
Schützt vor negativen spirituellen Einflüssen, unterstützt das Streben nach Weisheit

All diese Kräuter und Harze helfen uns eine sensible Wahrnehmung für uns selbst und unsere Umgebung zu bekommen. Holen wir uns Ruheoasen in die immer schneller werdende Zeit. Laufen wir nicht immer mit.

Höher, schneller, weiter, das muss nicht immer unser Motto sein. Gönnen wir uns in den Rauhnächten unseren täglichen Cocktail an Ruhe und Qualität mit uns selbst.

In diesem Sinne eine schöne Adventzeit, eine friedliche Weihnachtszeit und einen guten Start in Neue Jahr 2026.

*zitiert aus dem Buch „Rauhnächte Die schönsten Rituale“ Nadine Stegelmeier

** Dies Schreibweise Rauhnächte mit „h“ wir in Bezug auf Räuchern verwendet, ohne „h“ steht es im Duden