Wie ist denn das so mit der Achtsamkeit?

Ich wurde gebeten einen Blogg zu schreiben, da muss man sich selbst die Frage stellen:
Was ist mein Thema? Bin ich kompetent? Wem soll es dienen?
Aber wie sooft nicht zu viel nachdenken, einfach losschreiben.
Und ich bin schon mitten im Thema:
Vor mehr als einem Jahr habe ich die Diagnose Brustkrebs bekommen. Es trifft einem mitten im Alltag und alles steht still. Diese Diagnose hat viele Themen in mein Leben gebracht, die mir auf einem holprigen Weg geholfen haben, nicht zu verzweifeln.

Beginnen möchte ich mit der Achtsamkeit. „Seien Sie achtsam und leben sie im Hier und Jetzt“.
Das ist der therapeutische Satz, aber wie bringt man das in eine Welt voll mit Social Media, schlechten Nachrichten, Bildern von Menschen, die zu verhungern drohen, nur weil Terror und Krieg ihr Leben bestimmt,..tja schwierig……und trotzdem.

Ich will nicht sagen, dass man die Augen vor diesen Themen verschließen soll, Information und soziale Kompetenz sind wichtige Bestandteile in meinem Leben. Und trotzdem muss ich mir Ruheinseln schaffen. Mein Leben war bis jetzt geprägt von PAUSENLOS, das macht krank, das musste ich schon zweimal spüren. Jetzt werdet ihr euch fragen: „wird die nicht g‘scheiter?. Die Antwort heißt in meinem Fall NEIN.
Ich habe nicht hinterfragt, wo laufe ich da atemlos hin, bin ich auf der richtigen Spur? Ist nicht weniger mehr? Muss ich immer erreichbar sein? Muss ich immer dabei sein?
Mein Leben war ein dichter Terminkalender, sogar die Freizeit war getimet und dazwischen hineingeschoben.

Nun sitze ich da und soll achtsam sein, das geht natürlich nicht von jetzt auf gleich. Ich bekam Empfehlungen und lese Bücher, ich musste reifen und es verstehen, auch der Ernst ist mir inzwischen klar geworden. Dann geht es noch darum Hilfe von Außen anzunehmen, körperlich und mental. Das ist der erste Schritt ins Außen, ich sprach über meine Krankheit und holte mir viele Tipps und Adressen von Betroffenen, das ist neben der medizinischen Information meiner Meinung nach sehr wichtig.

Auf diesem Weg begegneten mir immer die richtigen und wertvollen Menschen. Dann geht es an die Bürokratie und an die Finanzierung. Als der Weg klar war, habe ich ihn betreten, vorerst mal sehr zögerlich und vorsichtig. Viele therapeutische Tipps müssen sortiert und ins Leben integriert werden.
Und da sind wir schon wieder bei der Achtsamkeit, die kommt immer vor, was ist das also jetzt?
Während meiner onkologischen Rehabilitation hatte ich die Aufgabe bekommen, mir eine Woche lang einen schönen Platz zu suchen und 10 Minuten zu sitzen und nur zu sein. Jetzt wirst du sagen, das kann ja nicht so schwierig sein, oja ist es. Wie immer ist alles Übung, mittlerweile ist mein schönster Platz der Wald, hier nehme ich achtsam alle Gerüche, Geräusche und Bilder in mich auf, hier kann ich es, hier hole ich mir die Kraft für den Alltag.
Die Achtsamkeit lässt sich nach all dieser Übung auch gut in den Alltag integrieren, gerade für Menschen mit einer Krebsdiagnose sehr wichtig, das musste ich schmerzhaft feststellen, da ich
an tumorbedingter Fatigue leide, das heißt erschöpft, es kommt immer plötzlich, und….es kommt, wenn ich mit der Kraft nicht achtsam umgehe, das Glas ist nur halb voll.
Für mich heißt das, nicht alles in einen Tag hineinstopfen, gut verteilen, Pausen einlegen, Sport und Ruhe einplanen, in die Natur, wann es nur geht.
Jetz war ich lange nur bei mir, auch den Partner muss und will ich auf diesem Weg mitnehmen, ich hatte oft Schwierigkeiten mit so manchen Reaktionen, aber auch diese sollen akzeptiert sein. Es ist sicher nicht leicht für den Partner mit dieser Hilflosigkeit umzugehen. Er bekommt nicht diese Vielfalt an Infos und ist nicht im System, das dem Betroffenen schon Schutz und Sicherheit bietet. Gespräche müssen geführt werden, wenn beide dazu bereit sind, und ich meine BEIDE, das musste ich auch lernen, also achtsam sein. Auch die Kinder reagieren jeder auf seine Weise, also auch achtsam sein und gut zuhören.
Meine Enkelkinder sind für mich eine wichtige und liebevolle Energiequelle, ich gehe achtsam mit der Zeit um, die ich mit ihnen verbringe, auch hier haben meine Tochter und ich nach einem guten Gespräch die Quantität gegen Qualität ausgetauscht, was ja bei vielen Dingen das Thema ist.

Und dann sind da noch die Tage, wo Achtsamkeit nicht vorkommt, das heißt den ganzen Tag arbeiten und abends erschöpft vor dem Fernsehapparat einschlafen, das lässt sich nicht vermeiden. Dann heißt es wieder in die Spur kommen, TV am Abend mit einem Buch betrügen, vielleicht ein bisschen meditieren, vielleicht mit dem Partner ein Gläschen auf der Terrasse genießen,… die Liste ist endlos und wartet genossen zu werden.
Für heute beende ich meine Betrachtungen, ein neues Thema für nächstes Mal zu finden ist sicher einfach.

In Achtsamkeit bis zum nächsten Mal

Eure Anita