Februar 2019

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Bad Vöslau, Gainfarn und Großau!

In jedem Jahr gibt es besondere Ereignisse über die ich gerne berichte – diesmal Veranstaltungen des heurigen Jahres, verknüpft mit einem geschichtlichen Rückblick auf unsere Stadt.

170 Jahre freie Gemeinde
Im Jahr 1849 – und damit vor exakt 170 Jahren - wurden in Österreich erstmals von den Grundherren unabhängige Bürgermeister und Gemeindevertretungen geschaffen und somit eine Selbstverwaltung auf demokratischer Basis ermöglicht. Die ersten Bürgermeister auf unserem heutigen Stadtgebiet waren 1849 in Vöslau Michael Zwierschütz, in Gainfarn Johann Heger und (ab 1852) in Großau Joseph Grabner.

Vor dieser Neuerung wurden die Gemeinden durch den jeweiligen Grundeigentümer verwaltet, vor allem Bauern hatten keinerlei politische Rechte und waren Untertanen im Sinne des Wortes. Erst die - während der Revolution von 1848 - erkämpften Rechte und ein daraus resultierendes Gemeindegesetz aus dem Jahr 1849 legte fest: „Die Grundlage des freien Staates ist die Gemeinde.“ Die Grundherren hatten Teile ihres Besitzes gegen eine gesetzliche Entschädigung an die ehemaligen Untertanen abzugeben. Die früheren Untertanen waren damit zu Besitzern des von ihnen bearbeiteten Grundes geworden und alle Verpflichtungen, wie Zehent oder Robot, waren abgeschafft. Auf der anderen Seite hatten die Grundherren durch die erhaltene Entschädigung nun auch finanzielle Mittel in der Hand, um ihre Liegenschaften zu sanieren und in die Wirtschaft zu investieren. 


Der erste Bürgermeister von Vöslau, Michael Zwierschütz, kam 1849 ins Amt. (Foto: Stadtgemeinde)

 
Johann Heger war der 1849 der erste Bürgermeister von Gainfarn. Leider existiert kein Bild des ersten Bürgermeisters von Großau, Joseph Grabner.

Aufschwung und Fremdenverkehr
Durch das Ende der grundherrschaftlichen Obrigkeit könnte man annehmen, dass sich die ehemaligen Grundherren aus den Angelegenheiten der Gemeinde zurückgezogen hätten. Glücklicherweise war das Gegenteil der Fall. Zum Beispiel hat Moritz Graf Fries eine Reihe von Verbesserungen im Fremdenverkehr durch seine Ideen und Förderung erst möglich gemacht. Unter anderem beauftragte er den Architekten Theophil Hansen mit der Erneuerung und Vergrößerung der seit 1822 bestehenden Badeanlage, welche letztendlich 1926 durch Peter Paul Brang ihr heutiges Aussehen erhielt.

 
Moritz II Graf Fries hat sich als Förderer von Vöslau einen Eintrag in den Geschichtsbüchern verdient. (Foto: Stadtgemeinde)

Landesausstellung 2019
Viele andere Themen, wie das Schloss Bad Vöslau als jetziges Rathaus, oder auch der Wr. Neustädter Kanal sind mit den Grafen Fries verbunden. Da heuer die Niederösterreichische Landesausstellung in Wiener Neustadt stattfindet, wurde der Kanal und der begleitende Radweg als verbindendes Element in der Region gesehen. Ich darf schon jetzt darauf hinweisen: NÖ Landes-Ausstellung von 30.3 bis 10.11.2019 – Welt in Bewegung. Die Kurstadt Bad Vöslau wird sich sowohl am Radweg, am Bahnhof als auch im Schlosspark mit neuen Ideen passend zum Thema präsentieren.

100 Jahre Frauenwahlrecht
Auch wenn die demokratischen Ansätze vor 100 Jahren nicht unserem heutigen Demokratieverständnis entsprechen, waren sie die Grundlage für unser aktuelles politisches System, das sich nach und nach daraus entwickelt hat. So fand zum Beispiel im Jahr 1919 die erste Parlaments- und Gemeinderatswahl statt, bei der auch Frauen wahlberechtigt waren. Aber in Bad Vöslau war bereits am 29.Dezember 1918 mit Anna Suck die erste Frau im Gemeinderat vertreten. Die Stadtgemeinde Bad Vöslau hat aus diesem Anlass gemeinsam mit der Initiative „Frauenvielfalt“ am 14. Februar 2019 im Rathaus Bad Vöslau einen Vortrag zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ veranstaltet.

Rückschläge und Chancen
Die Menschen von Bad Vöslau, Gainfarn und Großau hatten auch im 20. Jahrhundert viel zu erleiden. Zwei Weltkriege und eine Weltwirtschaftskrise haben sie mit Mut und Schaffenskraft überstanden. Aber es gab auch Gutes: Die Ernennung zum „Bad“ erfolgte 1927, die Erhebung zur Stadt 1954. Die Gemeindezusammenlegung im Jahr 1972 markiert ebenfalls einen wichtigen Punkt unserer lokalen Geschichte - seither haben die Menschen der drei Ortsteile zueinander gefunden und sich dabei trotzdem einen gesunden Lokalpatriotismus erhalten.

40 Jahre Städtepartnerschaft
Im Jahr 1978 wurde mit Neu-Isenburg eine Partnerstadt gefunden. Im vorigen Jahr konnten wir unser 40. Jubiläum in Bad Vöslau feiern. Heuer wollen wir von 8. bis 11. August mit einem Bus zur „Rück-Verschwisterungs-Feier“ nach Deutschland fahren und dabei auch die Gegend rund um Neu-Isenburg erkunden. Wir werden das Programm in den nächsten Wochen zusammenstellen. Ich möchte Sie schon jetzt einladen, mit uns gemeinsam nach Neu-Isenburg zu fahren.

45 Jahre Rathaus im Schloss und 10 Jahre Bürgerservicestelle
Die Stadtverwaltung übersiedelte 1974 – somit vor 45 Jahren - in das Schloss Vöslau und hat sich seither ebenfalls ständig weiterentwickelt. So wurde im Jahr 2009 im Erdgeschoß eine Bürgerservicestelle eingerichtet, die den Bürgern als erste und wohl wichtigste Anlaufstelle für alle Fragen und Probleme dient und heuer das 10-Jahres-Jubiläum feiert.

Demokratie und Gemeinde
Ich versuche, in Bad Vöslau die Trennung von „Politik“ und „Verwaltung“ großzuschreiben. Unser modernes Verständnis von Demokratie verlangt, dass die Entscheidungen eines Amtes streng nach den geltenden Gesetzen fallen. Die Beamten und Bediensteten der Stadt verrichten ihre Arbeit gewissenhaft und sind sich ihrer Verantwortung den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber bewusst. Die „Politik“ gibt dabei innerhalb des gesetzlichen Rahmens die Entwicklungen im Rahmen von Gemeinderatsbeschlüssen vor. Die gewählten Mandatare des Stadt- und Gemeinderates – und selbstverständlich auch ich als Bürgermeister – sind von den Wählern beauftragt, für das Wohl der Stadt und aller Bürgerinnen und Bürger zu arbeiten. Dieser Auftrag wird von uns allen sehr ernst genommen.

Gelebte Demokratie
Sollten Ihnen Entscheidungen des Stadtamtes oder des Gemeinderates einmal nicht verständlich erscheinen, so wenden Sie sich bitte an das Rathaus oder auch direkt an mich. Es ist für Bürgerinnen und Bürger jederzeit möglich, Entscheidungen zu hinterfragen und sich fachliche Auskünfte (soweit dies der Datenschutz und andere Gesetzesbestimmungen erlauben) einzuholen.

Den aktiven örtlichen Initiativen und Vereinen danke ich für ihr Engagement und lade sie zur weiteren Zusammenarbeit ein. Denn es ist immens wichtig, seine demokratischen Rechte und Pflichten aktiv zu leben und sich auf Grund von Fakten eine Meinung zu bilden. Nun bereits seit 170 Jahren!

Ihr Christoph Prinz
Bürgermeister