Mai 2018

Sehr geehrte Bürgerinnen & Bürger aus Bad Vöslau, Gainfarn & Großau

Da ich immer wieder angesprochen werde, möchte in ich meinem Bericht nochmals auf das Café Thermalbad eingehen.

Villa Pereira: Die Geschichte
Die Villa Pereira-Arnstein, eine eingeschossige Biedermeiervilla mit quadratischem Grundriss, wurde um 1830 erbaut und wird Joseph Kornhäusel zugeschrieben. Anfangs stand die Villa auf einem Sockel. Nun ist sie seit langem schon von einer Terrasse umgeben. Hinter der Villa, Richtung Schlossplatz befindet sich, durch einen Durchfahrtsbogen verbunden, ein weit älteres zweigeschossiges Wirtschaftsgebäude. Beide Gebäude stehen seit dem Jahr 2016 unter Denkmalschutz. Das gesamte Areal ist 6.457 m² groß.
Der Teich wird durch das vom Bad abfließende Thermalwasser gespeist, das in Folge dann in den Hansybach weiter fließt. Auf dem Grundstück steht eine mächtige Platane, die seit Jahren als Naturdenkmal geschützt ist.
Das Gebäude wurde als Wohngebäude errichtet und vor allem bei Sommeraufenthalten genutzt. In den 30iger Jahren des 19. Jhdt ist die erste Besitzerin Henriette Freiin von Pereira-Arnstein, die Mutter von Flora Fries. Danach wechseln die Besitzer mehrmals. Das Haus war aber weiterhin eine Mietvilla für Sommerfrischler in Vöslau.
1905 kauft die Gemeinde das Areal und vermietet dieses zu Wohnzwecken. 1928 verpachtet sie das Gebäude dann bereits an die Familie Gal, um es als Café und Restaurant zu betreiben. Aus wirtschaftlichen Gründen wird dann alles 1939 an den Cafetier Franz Gal verkauft.
Zwischen 1939 und 2015 wird das Gebäude in verschiedenster Form als Restaurant, Kaffeehaus und – auch ich kann mich noch erinnern – im Erdgeschoss sogar als Diskothek durch die Familie Gal geführt.


Die „Villa Pereira“ soll Firmensitz der Vöslauer Mineralwasser AG werden.
(Foto: Stadtgemeinde)

Es gab aber auch immer wieder Überlegungen für Zubauten. Als junger Bürgermeister musste ich in meiner ersten Gemeinderatssitzung im Sept 2003 eine Bausperre erlassen, da es bereits Erweiterungsüberlegungen gab. Somit wurde in Folge das erste Mal die Bebaubarkeit des Areals eingeschränkt und zwei Jahre später zusätzlich zum wasserrechtlich geschützten Teich und der unter Naturschutz stehenden Platane im neuen Flächenwidmungsplan auch noch eine Schutzzone über das Areal gelegt.
Nach vielen Jahren und viel Einsatz für die Gäste unserer Stadt verkauft im Jahr 2015 Fam. Gal an die Firma A.J. Bau - Projektentwicklung. In Folge werden viele Zubau-Varianten – vor allem auch Wohnbauprojekte - vorgelegt.
Zur Klärung und Festlegung der Bebauungsbestimmungen beschließt der Gemeinderat wieder eine Bausperre und beauftragt 2016 eine städtebauliche Untersuchung. 2017 wird diese städtebauliche Studie über den gesamten Badplatz vom Büro Raumposition/Prof. Scheuvens präsentiert.
Parallel dazu habe ich begonnen mit dem Grundeigentümer zu verhandeln, um das Areal nach 78 Jahren wieder zurückzukaufen. Der Gemeinderat hat in Folge mit Stimmen aller politischen Gruppierungen den Ankauf beschlossen und die Stadt sofort wieder die Pflege und Erhaltung der Grundstücke übernommen. Wir mussten als Stadtgemeinde mit der Bausperre und dem Kauf des Areals die Notbremse ziehen, um eine Wohnbebauung und die Verschandelung des Ortsbildes zu verhindern - wissend, dass man viel Geld für die Sanierung benötigen wird.
Die eigentliche Arbeit hat daher erst danach begonnen: Ich wollte - gemeinsam mit allen politischen Kräften - einen starken Partner finden, der in der Lage ist, mit der Stadtgemeinde den leider schlechten Gebäudebestand zu sanieren. Eine Arbeitsgruppe, in der alle Fraktionen vertreten waren, wurde eingerichtet. Ziel war es, ein kostendeckendes und zukunftsorientiertes Konzept zu entwickeln, bei dem sowohl die Sanierung der denkmalgeschützten Villa Pereira als auch die Nutzung des Kaffeehauses und der Erhalt des umliegenden Areals gewährleistet sind.

Villa Pereira: Die Zukunft
Viele Ideen für die Nutzung der Liegenschaft wurden an die Stadt herangetragen. Vor allem Projekte aus dem Bereich der Gastronomie waren dabei. Leider konnte kein Vorschlag ein annähernd kostendeckendes Konzept für die Sanierung der denkmalgeschützten Villa Pereira und ihrem Nebengebäude abdecken.
Das Projekt, das ich nun dem Gemeinderat vorlegen werde, ist eine partnerschaftliche Lösung zwischen der Vöslauer Mineralwasser AG und der Stadtgemeinde. Durch die Aufteilung der Flächen nach angefallenen Kosten pro Quadratmeter, die beim Ankauf im Juni des Vorjahres entstanden sind, bekommt die Stadtgemeinde einen Teil des investierten Geldes zurück und kann eine zukunftsträchtige Nutzung des Gebäudes garantieren. Ich bin froh, dass gemeinsam mit Sigi Menz, Alfred Hudler, Birgit Aichinger und Herbert Schlossnikl, den Verantwortlichen des ursprünglichsten aller Vöslauer Unternehmen – der Vöslauer Mineralwasser AG – ein zukunftsträchtiges Projekt entstehen wird.
Die Vöslauer Mineralwasser AG möchte das Areal mit der Villa Pereira und dem zweiten Gebäude erwerben, um diese zu sanieren und als Firmenzentrale zu gestalten. Dahinter wird zusätzlich ein neuer moderner Baukörper in den Hang gebaut. Neben dem Vorstand werden mehr als 40 Mitarbeiter hier arbeiten. Der Neubau fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und soll ein begrüntes Dach erhalten, das auf Straßenniveau der Kreuzgasse ist. Dabei wird das maximal zulässige Bauvolumen weit unterschritten, da der Neubau untergeordnet zu den bestehenden Gebäuden erfolgen muss. Die Gebäude werden auf einer Ebene verbunden sein, damit die neue Firmenzentrale der Vöslauer Mineralwasser AG als innovatives und kommunikatives Büro mit entsprechenden Empfangsmöglichkeiten genutzt werden kann.
Alfred Hudler, Vorstandsvorsitzender der Vöslauer Mineralwasser AG, freut sich: „Wir sind Vöslauer. Bad Vöslau. So steht es in unseren Werten und genauso innig sind wir mit dem Ort seit jeher verbunden. Die Geschichte von Bad Vöslau und unsere Marke haben ihren Ursprung an der Quelle und bildet auch das Zentrum der Gemeinde. Genau dorthin kehren wir wieder zurück.“


Das nun vorgestellte Projekt entspricht der von Prof. Scheuvens im Jahr 2017 erarbeiteten Studie.
(Foto: Stadtgemeinde)

In Anlehnung an das Café Thermalbad wird wieder ein Gastronomiebereich geschaffen, der sowohl für Mitarbeiter als auch öffentlich zugänglich ist. Die Stadtgemeinde behält und bewahrt die sensiblen Bereiche rund um den Teich und den Hang, um diese für zukünftige Generationen zu schützen. Dies alles soll durch gegenseitige Rechte abgesichert werden. Das Projekt wurde in der Arbeitsgruppe „Café Thermalbad“ – bestehend aus Vertretern aller Fraktionen – diskutiert und von allen positiv aufgenommen. Es wird nun den offiziellen Gremien der Stadtgemeinde als auch der Vöslauer Mineralwasser AG zum Beschluss vorgelegt.
Ich freue mich, dass sämtliche Vorgaben, die in der Arbeitsgruppe eingebracht wurden mit diesem Projekt erfüllt werden können: Öffentlicher Zugang zum Teich, Nutzung mit öffentlichem Charakter, Gastronomie, Sanierung und Nutzung des Gebäudes und des Parks im Einklang mit der Umgebung, und vor allem kein Wohnbau am Grundstück.
Die Stadtgemeinde bleibt auch künftig Eigentümerin der für das Stadtbild wichtigen Grünflächen samt Teich. Somit ist garantiert, dass es auf dem Areal keinen Wohnbau geben wird und dass die für das Stadtbild von Bad Vöslau so charakteristische Ansicht erhalten bleibt. Die Details sollen in den nächsten Wochen erarbeitet werden und ein Vertragsabschluss bereits im Gemeinderat im Juni auf der Tagesordnung stehen.

Ihr
Christoph Prinz
Bürgermeister