April 2015

 

Die auf Vöslauer Gemeindeboden wachsenden blau, violett, lila oder weiß blühenden Arten von

Veilchen / Viola

können in drei Gruppen geteilt werden:

 

1. Gruppe (diese Arten werden im März 2013 behandelt)

Bild 01: Viola hirta_03.April_Harzberg
Sporn oft rötlich und mit nach oben geknickter Spitze

WiesenVeilchen mit rötlichem Sporn

Wiesen-Veilchen / Viola hirta (Bilder 11 bis 16,18, 19, 22, 23  in März 2013 )
  und
Hügel-Veilchen / V. collina (Bilder 13 bis 121  in März 2013 ).
Diese beiden Arten haben keine Ausläufer und nicht beblätterte Blütenstängel = "Rosettenveilchen" [1] ohne Ausläufer [2]

  [1] d.h. alle Blatt- und Blütenstiele sind grundständig: Sie entspringen in dichter Folge direkt  dem stark gestauchten obersten Abschnitt des Rhizoms (=des Wurzelstocks), scheinbar aus einem Punkt, und bilden dadurch ein Büschel, eine Rosette.
  [2] d.s. waagrecht vom Rhizom abzweigende, ober- oder unterirdisch verlaufende Seitensprosse, an deren Enden oder Knoten sich neue Pflanzen entwickeln.

 

 

2. Gruppe (diese Arten werden im Mai 2015 behandelt)

Bild 02: Viola reichenbachiana_06.April 2008_Grenzgraben

ein Stängelveilchen

Wald-Veilchen / Viola reichenbachiana,
Hain- Veilchen (= Großblüten-V.) / V. rivinana  und
Sand-Veilchen (= Felsen-V) /V. rupestris  (siehe auch Bild 47 in März 2013)
haben beblätterte Stängel und keine Ausläufer = "Stängelveilchen"[1]
[1] d.h. dass alle Blüten aus den Achseln von Stängelblättern entspringen [FISCHER & FALLYY:266], mit Grundblättern und ohne  Ausläufer

Das
Wunder-Veilchen / Viola mirabilis verhält sich im Frühjahr wie  ein Rosettenveilchen, bildet aber anschließend zusätzlich beblätterte Blühstängel aus.

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3. Gruppe (diese 3 Arten werden hier im April 2015 behandelt)

Bild 03: Viola odorata_16. März__Garten in Grossau

MärzVeilchen und scharbockskraut

März-Veilchen / Viola odorata,
Hecken-Veilchen  / V. suavis   und
Weiß-Veilchen / V. alba
haben Ausläufer und nicht beblätterte Blütenstängel = "Rosettenveilchen" mit Ausläufern

Als weitere Unterscheidungsmerkmale dienen die Ausformungen folgender Pflanzenteile:
1 NebenB (Form) ...................................................................blauer Pfeil
2 VorB (Position am Blütenstängel)...........................................roter Pfeil
3 Laubblätter (Form [1], Grundblätter, Stängelblätter)..................weißer Pfeil
4 Ausläufer (Lage, Blühtriebe im 1. Jahr treibend , oder nicht) . ...brauner Pfeil
5 Blüte: Kronblätter (Farbe, Sporn), Kelchblätter

Aussagen, die durch ein [?] gekennzeichnet sind, können möglicherweise auch auf genetischen Einfluss einer anderen Art hinweisen.
[1] Das Längen-Breiten-Verhältnis der Blattspreiten ist kein sehr verlässliches Merkmal, weil es sich von den jüngsten Frühjahrsblättern bis zu den voll entwickelten Sommerblättern verändert [KUNZ]

 

 

März-Veilchen / Viola odorata

 Bild 04: Viola odorata_30. März 2015_Rasenstreifen, Oberkirchengasse

blühende MärzVeilchen

 

 

Bild 05: Viola odorata_23. März 2008_Waldsaum am NW-Rand des Hüterriegels
1 blaue Pfeile : Nebenblätter 1-3(4) x so lang wie breit, nur kurze und unregelmäßige Fransen

am Rand, Spitze und obere Fransen mit Wimperhaaren
2 rote Pfeile : Vorblätter etwa in der Mitte des Stängels bis deutlich höher
3 weiße Pfeile : Laubblätter, besonders nach der Blütezeit breit, eiförmig, rundlich bis
nierenförmig, vorn meist abgerundet; überwinternd
4 braune Pfeile : Ausläufer 5-50 cm, oberirdisch, bewurzeln sich und können von den
Wurzeln unter die Oberfläche gezogen werden [?], treiben im 1. Jahr meist keine Blüten
5 Blüten: Die Kronblätter sind nur am Grunde weiß, daher sind die Blüten meist vollständig violett,
manchmal mit einem sehr kleinen weißen Zentrum [?].

Merkmale von Viola odorata

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Hecken-Veilchen / Viola suavis

Bild 06: Viola suavis_24. März 2008_Hecke, nahe der Biotoptafel 27, südöstlich der Kirche in Grossau

HeckenVeilchen haben Blumenkronen mit deutlichem weißen Grund

 

Bild 07: Viola suavis_24. März 2008
1 blaue Pfeile : Nebenblätter etwa (4)6 bis 8(10) x so lang wie breit,

2 rote Pfeile : Vorblätter deutlich unterhalb der Mitte des Stängels
3 weiße Pfeile : Laubblätter ähnlich wie beim März-Veilchen / V. odorata, aber vorn meist mit Spitze, überwintern nicht
4 braune Pfeile : kurze unterirdische Ausläufer, die im 1. Jahr meist keine Blüten ausbilden.[1] [2 =unterhalb des Bildes]
5 Die Blüten sind (lila)blau und haben ein deutliches weißes Zentrum, oft dunkle Linien auf dem untersten Kronblatt.[1] Hier: Am Ende des vorjährigen Ausläufers wurde, 2007 oder 2008, ein kurzes Rhizom entwickelt, aus dem 2008 junge Blätter sprossen.
Die Abbildung von Viola suavis im 1. Band der Ökologischen Flora Niederösterreichs [HOLZNER et.al 2013: 117] gleicht jener von Bild 07

Merkmale vom HeckenVeilchen

[2] Die Schwierigkeiten bei der Gewichtung der Ausläufer als wichtiges Merkmal werden durch folgende Hinweise beleuchtet:
  [?]"Viola suavis hat im Frühjahr keine neuen Ausläufer, diesjährige, oberirdische entstehen erst im Sommer, gehen später in die Erde, bewurzeln sich und treiben Blüten meist erst nach dem 2. Jahr. Alte unterirdische oft mehr als 20 cm lang"[?](KUNZ] Eine Abbildung in der Flora von Mitteleuropa [HEGI V1: 649, Fig . 2088a] zeigt eine Form, die dieser Beobachtung entsprechen dürfte und die als Viola subsp. austriaca (Kerner) bezeichnet wird. Daneben sind aber dort auch andere Unterarten dargestellt, die schon zur Blütezeit oberirdische Ausläufer mit Blüten haben. Dies steht im Gegensatz zur Beschreibung in der Exkursionsflora [ Xflora: 434] "Ausläufer unterirdisch [...] noch nicht im 1. Jahr blühend." Im Text werden bei HEGI ober- oder unterirdische Ausläufer genannt, bei den Unterarten wird zu den Ausläufern nichts gesagt [HEGI V1: 647-649]. Die Unterarten werden nun als Arten angesehen: In der Liste der Gefäßpflanzen Mitteleuropas umfasst der Formenkreis um Viola suavis einige weitere Arten: „incl. V. austriaca A.& J. Kern., V. beraudii Boreau, V. cyanea Čelak und V. sepincola Jord. u.a."[EHRENDORFER 1973: 293). In die Xflora 2008 wurde diese Bewertung übernommen.
  BECK hielt Viola sepinola [Synonym für V. suavis]  für eine Hybride von März-Veilchen mit Wiesen-Veilchen: „ 9. Viola odorata x hirta [...] 9b Viola sepincola [...] Nicht oder sehr schwach riechend. Blumenblätter blaulila, gegen den Grund weiß. Blätter herzeiförmig, etwas zugespitzt, etwas länger als breit. Eine V. hirta mit Ausläufern und Seitenästen, etwas verkürzten Blättern und länger wimperigen Nebenblättern. Vorkommen: Überall wo die Stammeltern zusammentreffen." [ BECK NOE:  516.]

Bild 08: Viola suavis_31. März 2003_Schwarzföhrenwald mit Mehlbeere, Dirndlstrauch und Speierling oberhalb der Helenenhöhe
Durch Ausläufer kann Viola suavis kleine Herden ausbilden.
Viola suavis, Position der Vorblätter

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Weiß-Veilchen / Viola alba

Bild 09 : Viola alba subsp. scotophylla_01. April 2012_am Weg von der Grossauer Höhe zur Beswaldföhre

WeißVeilchen mit jungen und überwinterten Blättern

 

 

 

Bild 10: Viola alba subsp. alba_16. März 2008_Buchbachtal, westlich der Bärensäule
1 blaue Pfeile : Nebenblätter etwa 4-10 x so lang wie breit

2 rote Pfeile: Vorblätter in oder etwas oberhalb der Mitte des Stängels (hier: Bei den meisten Blühstängeln sitzen die Vorblätter in der Mitte oder darüber, bei einzelnen, noch nicht voll entwickelten, auch tiefer)
3 weiße Pfeile: Laubblätter oft violett überlaufen, überwintern oft
4 braune Pfeile: Oberirdische Ausläufer, die meist schon im 1. Jahr Blüten ausbilden
5 Blüten (siehe im Folgenden bei den Unterarten!)

Merkmale vom WeißVeilchen

 Es gibt 3 Unterarten:

*1*  Bei der Unterart Weißsporn-Weiß-Veilchen / Viola alba subsp. alba ist der Sporn hell grün bis gelb
! Weiße Ausläuferveilchen mit rein weißem Sporn sind weiße Farbvarianten des März-Veilchens / Viola odorata. In Vöslau?

Bild 11: Viola alba. subsp. alba_17. März 2008__Haidelhoferwald

die Unterart mit gellich-grünlichem Sporn

 

 

*2* Lilasporn-Weiß-Veilchen / Viola alba subsp. scotophylla: der Sporn ist blass lila

Bild 12: Unten: Viola alba subsp. scotophylla_
unten: 10. März 2008_Remise; 17. März 2008_Haidlhoferwald

Violetter Sporn und Ausläufer beim Violettsporn-WeißVeilchen

 



*3* Beim  Violetten Weiß-Veilchen / Viola alba subsp. violacea, sind alle Kronblätter violett.
Dieses Veilchen ist kein März-Veilchen, sondern die violett blühende Unterart des Weiß-Veilchens / Viola alba subsp. violacea, weil (zumindest einige) diesjährige Ausläufer Blüten treiben, die Nebenblätter 7x so lang wie breit sind und die Blätter eine spitzwinkelige (etwa 60°) Spitze haben. [Xflora:434]

Bild 13: Viola alba subsp. violacea_11.04.2008_ Kuahoadl

Die violett blühende Unterart vom WeißVeilchen


!!! Hybriden zwischen den meisten Arten sind häufig. Entspricht ein Merkmal nicht der Beschreibung, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Bastard vor. Auch als „meist" genannte Merkmale [HEGI & Xflora:156 diakritische Merkmale sind unterstrichen] können verwirren (meist bedeutet ja, dass es anders auch sein kann).!!!

 

Bild 14: Viola odorata x _?_9. März 2008_Waldrand an der Hofstättenwiese
Dieses Veilchen könnte man auf den ersten Blick ohne weiteres als Viola odorata benennen: Die Blüten sind violett ohne weißes Zentrum, die Blätter sind an der Spitze abgerundet oder ihre beiden Spreitenränder treffen stumpfwinkelig aufeinander, die Nebenblätter sind etwa 3x so lang wie breit. Es irritiert nur, dass die diesjährigen Ausläufer schon Blüten treiben. Dieses Merkmal wird als diakritisches Merkmal für Viola alba gegenüber V. odorata genannt. Bei Viola alba sollen die Nebenblätter mindestens 4 x so lang wie breit sein [XFlora : 434f]. Die letzgenannten beiden Merkmale geben Anlass zur Annahme, dass es sich bei diesem Veilchen um eine Hybride aus März-Veilchen mit Weiß-Veilchen / Viola odorata x V. alba handelt.

Merkmale einer Hybride aus MärzVeilchen und (vermutlich) Weißveilchen